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(R. Bußmann)

Verwaltungspraxis und Gesellschaft: Die Siegelabrollungen aus Hierakonpolis

Hierakonpolis ist ein Zentralort der ägyptischen Staatsentstehungszeit, ca. 3300 bis 2700 v. Chr. Der Ort wurde durch den Fund der sogenannten „Narmer-Palette“, einer Prunkpalette mit der ersten monumentalen Darstellung eines ägyptischen Pharao, bekannt. Das Objekt kam mit vielen anderen Funden vor mehr als hundert Jahren bei Ausgrabungen im Tempelgebiet von Hierakonpolis zu Tage. Die mangelhafte Publikation der Grabung hat es lange Zeit erschwert, den archäologischen Kontext der Palette und des Stadt- und Tempelgebiets zu verstehen. Daher ist die Erforschung  von nicht publizierten Archivquellen und Objekten aus Hierakonpolis ein wesentlichen Pfeiler für das bessere Verständnis der Narmer-Palette und, im weiteren Sinne, der Entstehung des pharaonischen Königtums.

Unter den Objekten befanden sich etwa 300 Siegelfragmente aus Nilschlamm. Sie waren ursprünglich an Gefäßen, Türen, Kisten und anderen Objekten angebracht. Beim Öffnen wurden die Siegel aufgebrochen und auf dem Boden liegen gelassen. Dort wurden wo Archäologen gefunden. Die meisten von ihnen tragen Inschriften mit Titeln und Namen der sich formierenden ägyptischen Zentralverwaltung. Die Siegelabrollungen spiegeln einen neuen Maßstab für Techniken der sozialen Kontrolle wieder, die typisch für frühe komplexe Gesellschaften im Übergang von der Prähistorie zur geschichtlichen Zeit ist.

Das  Projekt ist der Dokumentation der Siegelabrollungen und der mit ihnen zusammen gefundenen Objekte gewidmet. Die Rekonstruktion der Inschriften, die Korrelation von Inschrift, gesiegeltem Objekt und Verwaltungstiteln und die Analyse der Fundkontexte wird im Licht übergeordneter Fragen zur Entstehung früher Zentralstaaten, neuer administrativer Praktiken und der Rolle der frühen Hieroglyphenschrift in der Genese der pharaonischen Zivilisation ausgewertet.