Abteilung Ägyptologie
Ägyptologie wird in Köln als eine altertumswissenschaftliche Regionalwissenschaft verstanden. Sie zielt mit einem breiten Spektrum von Methoden und aktuellen theoretischen Ansätzen auf neue Interpretationen der antiken Kulturen und Gesellschaften Nordostafrikas ab. Dafür werden etablierte Methoden der archäologischen Feldforschung, der Bildwissenschaft und der Philologie mit Fragestellungen der Sozialanthropologie und neuen Kulturgeschichte verknüpft. Die Erforschung der Vergangenheit ist in vielfältiger Weise mit der Gegenwart verflochten. Die Ägyptologie ist daher in Kölner Forschungsinitiativen zu den Museum and Heritage Studies eingebunden.
Die Ägyptologie ist in fachübergreifende Verbundstudiengänge mit der Afrikanistik, dem Archäologischen Institut und dem Institut für Altertumswissenschaften eingebettet. Studierende wählen ihre Studienschwerpunkte eigenständig. Sie können alle altägyptischen Sprachstufen und Schriftarten erlernen und werden in aktuelle Diskussionen der Archäologie und Kulturgeschichte des alten Ägypten und Sudan eingeführt. Die Lehre ist forschungsorientiert und zielt mit Seminaren, Sprachkursen, Übungen, Exkursionen und Praktika auf eine vielfältige Lernerfahrung ab. Feedback und individuelle Förderung sind zentrale Anliegen in der Betreuung von Studierenden.
Die Abteilung Ägyptologie ist mit einem Lehrstuhl am Institut für Afrikanistik und Ägyptologie vertreten.Die ägyptologische Bibliothek und Sammlung und die Kooperationen der Abteilung mit zahlreichen Forschungsinstitutionen in der Region und im Ausland bieten sehr gute Voraussetzungen für Studium und Forschung in Köln.
Erster Lehrstuhlinhaber der Kölner Ägyptologie war der Literaturwissenschaftler Alfred Herrmann (1965-1967). Unter der langjährigen Leitung von Philippe Derchain (1968-1992) entwickelte sich ein Forschungsschwerpunkt auf den spätzeitlichen Texttraditionen, gepaart mit einer breiten kulturwissenschaftlichen Ausrichtung. Derchains Nachfolger Heinz-Josef Thissen (1992-2005) war einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der demotischen Textüberlieferung. Françoise Labrique (2005-2015) setzte mit der Erforschung der ptolemäischen Tempelinschriften die spätzeitliche Tradition in Köln weiter fort. Mit der Berufung von Richard Bußmann (seit 2016) hat sich das Profil um die Sozialanthropologie und die materielle Kultur der pharaonischen Epochen erweitert.